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Der letzte Eindruck bleibt

Wie das Team von Hertha BSC eine (eigentlich) gute Saison verspielt.

Die Hinrunde hatte so vielversprechend angefangen. Nach dem 2:0 Heimsieg gegen den FC Bayern München schien Hertha BSC auf dem Weg zum Überraschungsteam der Liga.

Duda wirbelte gegen Gladbach, Gelsenkirchen und gegen die Bayern, dass es eine Freude war. Ausgerechnet Duda. Der Spieler, der fast ein Jahr lang verletzt war und sich auch in der Saison danach nicht besser entfalten konnte. Genau dieser Duda schob nun (einfach mal so) den Ball frech unter der Freistoßmauer durch. Was haben wir gejubelt und gefeixt über so ein Tor. Wer erinnert sich nicht?

Oder Dilrosun gegen Gladbach. Haken links, Haken rechts, sein Gegenspieler dürfte heute noch Albträume haben. Der Junge, der aus dem Nichts kam und zauberte. Hertha hätte auch 8:0 gewinnen können, die Gladbacher hatten Glück, dass es nur 4:2 endete.

Der Sieg gegen die Bayern

Und dann natürlich das 2:0 gegen die Bayern. Nach 10 Jahren endlich mal wieder ein Sieg gegen den Krösus der Liga. Voronins Erben lieferten eine tolle Partie gegen den Dauermeister, insbesondere in der ersten Halbzeit. Ein verdienter Sieg mit dem notwendigen Glück in der zweiten Halbzeit.

Für mich waren das die besten Hertha-Spiele seit dem Wiederaufstieg. Das neue Herthateam zeigte, was an spielerischem Potential vorhanden ist. Eine Messlatte, die dem Trainer noch zum Verhängnis werden sollte und die letztlich auch zu kritischen Fragen an die Mannschaft führt, aber an dem Punkt sind wir noch nicht.

Hertha lieferte im Saisonverlauf unterhaltsame oder erfolgreiche Spiele. Ein schöner und dringend notwendiger Kontrast zur Vorsaison, auch in Hinsicht der rückläufigen Zuschauerzahlen, die Hertha zuvor verzeichnen musste.

Fehlende Konstanz, schwankende Leistungen

Man konnte ahnen, dass Hertha dieses Leistungsvermögen nicht über die gesamte Saison halten würde. Gegen Düsseldorf und Stuttgart hatten sich schon krasse Aussetzer gezeigt.

Die Leistungen gegen große und kleine Gegner unterschieden sich sogar auf ganz merkwürdige Weise: Gegen die großen Clubs spielt Hertha im Normalfall motiviert und konzentriert, gegen die vermeintlich kleinen Clubs oftmals fahrig und schlaff. Da fragte man sich schon, was in den Köpfen einiger Spieler so abging ( und was an der Einstellung fehlte).

Und dann ging sie los: Die Ergebniskrise und der totale Einbruch zum Ende der Rückrunde. Ohne Not und ohne klar erkennbaren Grund. Man mag die Frage stellen können, ob Dardai in Sachen Psychologie und Motivation noch mehr lernen kann oder muss, aber kritisch zu hinterfragen ist m.E. in erster Linie das Auftreten der Mannschaft. Sieht man von Jarstein, Klünter und Kalou ab, spielen derzeut auffällig viele Spieler unter ihren Möglichkeiten.

Lazaro erinnert mit seinen zuletzt gezeigten Leistungen verheerend an die Abschiedssaison von Weiser, ehe er nach Leverkusen ging. Glaubt man der gängigen Berichterstattung, so interessieren sich italienische Clubs für den Spieler. Die Statements seines Managements und die Aussagen Lazaros sprechen jedenfalls nicht für einen Verbleib.

Die Spieler können es, wollen aber nicht immer

Ich habe Jahre bei Hertha erlebt, in denen das Team gut spielen wollte, den Spielern aber die notwendigen spielerischen Mittel fehlten. Am Ende dieser Saison hat man den Eindruck, dass die Spieler es besser können, es aber an der Einstellung und notwendigen Einstellung fehlt.

Mir drängt sich dabei immer der Verdacht auf, dass nicht nur bei Lazaro Anzeichen für das Weiser-Syndrom zu erkennen sind. Kaum ein Spieler konnte in der Rückrunde die Leistung der Hinrunde bestätigen, wobei zu ergänzen ist, dass sicherlich nicht alle Spieler den Kopf verdreht bekommen, weil sie attraktive Angebote anderer Vereine erhalten. Denkt man an entsprechende Aussagen von Kalou im Kicker, so sind zumindest einige junge Spieler nicht mehr wirklich fokussiert. Mir bleiben natürlich viele Hintergrundinformationen vorenthalten, aber der Eindruck bleibt hartnäckig, dass es bei einigen Spielern an der richtigen Einstellung fehlt. Das sollte den Trainer in letzter Instanz den Job kosten.

Die Suche nach den wahren Gründen

Als einfacher Fan fehlt einem der Einblick in die wahren Gründe für so einen Leistungsabfall. Das Leistungsvermögen ist da, aber warum rufen sie es als Team nicht konstant ab? Es bleiben primär zwischenmenschliche Gründe oder Defizite in der Einstellung einiger Spieler. Andere Ursachen erscheinen mir vor dem Hintergrund der tollen Hinrundenspiele nicht nachvollziehbar. Wobei ich ausdrücklich betonen möchte, dass es jungen Spielern durchaus mal an Konstanz fehlen darf und selbst die besten Teams liefern mal schlechte Spiele ab. Aber die letzten Spiele der Rückrunde sind anders. Man darf gegen die Bayern, Dortmund und Leipzig verlieren, dies sind alles Clubs „von ganz oben“. Aber die Art der Niederlage gegen Leipzig tut einem als Fan weh. Gegen Hoffenheim war es irgendwie nicht richtig besser, eine Punkteteilung gegen Hannover darf eigentlich auch nicht der Anspruch des Teams sein. Und die wiederholten Niederlagen gegen Fortuna Düsseldorf treffen bei uns Fans einen echten Schmerzpunkt, die Relegationsspiele gegen die Rheinländer sind vielen Herthanern noch sehr gegenwärtig. Das Team verweigert den Fand da wiederholt die sportliche Revanche.

Das Team vernichtet den guten Eindruck

Besonders bedauerlich empfinde ich den Umstand, dass Hertha BSC in dieser Saison über einen langen Zeitraum wirklich gute Fußballunterhaltung bot und beste Eigenwerbung machte. Den guten Eindruck hat das Team in der Rückrunde komplett zerstört. Es ist vielleicht etwas polemisch ausgedrückt, aber kein Stadionneubau der Welt kann mehr Fans anlocken, als Hertha die Fans derzeit mit den uninspirierten verprellt.

Schlimmer noch: Der letzte Eindruck bleibt und er hinterlässt viele Fans mit einem tiefen Gefühl der Enttäuschung.

Dabei schien am Anfang der Saison alles drin zu sein und Hertha auf bestem Wege zu sein, doch von diesem Gefühl ist im Moment nicht mehr viel übrig.

Update am 4.Mai 2019.: Redaktionelle Änderungen.