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Blogbeiträge des Exilherthaner Podcasts. Aktuelle Kommentare zu Hertha BSC und zur Bundesliga.

Dardai und die Ungeduld mit der Kontinuität

Zur neuen Saison wird Pal Dardai nicht mehr Trainer der Profis von Hertha BSC sein. Eine Entscheidung, die mit Ungeduld, unterschiedlichen Erwartungshaltungen und mangelnder Wertschätzung von Kontinuität zu tun hat.

Und eine Frage stellt sich noch: Woher nimmt die Geschäftsführung die Gewissheit, dass sein Nachfolger es besser machen wird?

Es ist noch nicht lange her, da galt Hertha BSC als Fahrstuhlmannschaft der Bundesliga. Die letzten Abstiege mussten Verein und Fans in der Saison 2009/2010 und 2011/2012 ertragen. Und schon im Februar 2015 stand Hertha BSC wieder im Keller der Bundesliga. Der Club trennte sich am 5.Februar von Trainer Jos Luhukay und Pal Dardai folgte ihm in das Amt.

Kein leichter Job, denn die Anforderungen an den Trainer waren hoch. Dardai sollte den Verein nicht nur dauerhaft von den Abstiegsrängen fernhalten, er sollte auch mehr Talente aus der eigenen Jugend zu den Profis führen, denn beim Club ist Geld stets knapp. Und die graue Maus Hertha BSC brauchte endlich einen Sympathieträger, der über die Grenzen Berlins hinaus wahrgenommen wird. Das war bei Luhukay nicht wirklich der Fall. Hertha musste sich unbedingt wieder in der Liga etablieren. Aus finanziellen Gründen und zur Imageverbesserung. Schon das Relegationsspiel in Düsseldorf war keine gute Werbung für die Hertha gewesen.

Dardai liefert Weiterentwicklung bei Spielern

Unter Dardai blühten tatsächlich viele Spieler auf. Marvin Plattenhardt, unter Luhukay noch gefühlter Unglücksrabe, wird nicht nur Stammspieler, er steigt sogar zum Nationalspieler auf. Auch wenn Platte jetzt seit Monaten in der Formkrise ist und der WM-Einsatz eher bescheiden ausfiel, so ist die Weiterentwicklung des Spielers unbestritten. Ähnlich der Verlauf bei Niklas Stark. Auch er hat sich vom Talent aus Nürnberg in den Kader der Nationalmannschaft gespielt und weckt bei anderen Clubs Begehrlichkeiten.

Man denkt nicht mehr oft daran, aber unter Trainer Dardai war es Rune Jarstein, der Thomas Kraft als ersten Torhüter ablöste. Das Einwirken Dardais mag gering sein (er ist ja kein Torwartrainer), aber es sollte dennoch nicht unerwähnt bleiben. Mit
Valentino Lazaro konnte ein weiterer Spieler verpflichtet werden, seine Weiterentwicklung unter Dardai war so erfolgreich, dass er im Sommer kaum noch zu halten sein wird. Aber das ist Ziel und Zweck eines Ausbildungsvereins.

Mit Mitchell Weiser und John Anthony Brooks werden unter Dardai weitere Spieler für eine nicht unerhebliche Ablösesumme verkauft. Weiser blühte bei der Hertha unter Dardai auf, während er zuvor bei Bayern München noch als hoffnungsloser Fall galt. Und auch Brooks ging unter Dardai seinen Weg. Man könnte weitere Beispiele nennen.

Potential und Durchlässigkeit zu den Profis

Die Durchlässigkeit vom Nachwuchsteam zu den Profis ist so gut, wie noch nie bei Hertha BSC, der Club besitzt vielversprechende Talente, wie schon lange nicht mehr. Genannt seien nur Javairo Dilrosun, Arne Maier, Dennis Jastrzembski, Palkó Dárdai und Maximilian Mittelstädt. Dardai kann Talentförderung und er setzt sie auch beständig um. Hatten wir schon mal so viel Spielerpotential wie jetzt?

Keine Abstiegsgefahr unter Dardai

Dardai sorgte in den Folgejahren dafür, dass Hertha BSC mit dem Abstiegskampf nichts mehr zu tun hatte. Das war oftmals einfacher Fußball und selten die große Unterhaltungswelt, aber solide und am Ende erfolgreich. In Köln und Hamburg hätte man in der letzten Saison gerne unsere Probleme gehabt.

Sympathieträger über die Grenzen Berlins hinaus

Es gibt jenseits von Berlin nur 2 Personen, auf die ich als Exilherthaner überhaupt angesprochen werde: Marcelinho und Pal Dardai. Dardai kommt authentisch rüber, weil er authentisch ist. Er liebt den Verein und spricht es aus, er wirkt dabei aber nie gekünstelt, man glaubt es ihm. Dardai ist populär und ich sehe niemand bei Hertha, der mit ihm in dieser Hinsicht gleichziehen kann.

Der letzte Eindruck bleibt im Gedächnis – Leider

Keine Frage, Dardai hat in den letzten Jahren viel bewirkt. Aber wer will bestreiten, dass eben nicht alles rosarot war? 6 Niederlagen aus 7 Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Dardai hat in der Hinrunde das Leistungsvermögen der Mannschaft nahezu aufblühen lassen. Er konnte es in der Rückrunde aber auch nicht mehr abrufen. Die Mannschaft wurde im Saisonverlauf immer unberechenbarer, die letzten 3 Niederlagen waren schmerzhaft schlechte Auftritte. Die mangelnde Konstanz des Teams zog sich überhaupt wie ein roter Faden durch die Saison. In Punkto Motivation und Psychologie merkt man Dardai an, dass auch er als Trainer noch lernen muss.

Mangelnde Konstanz war schon in den Vorjahren ein beständiges Problem, wenn Hertha Rückrunden stets als Enttäuschungen endeten. Die Saison 2017/2018 ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Hertha hatte zwar nie mit dem Abstieg zu tun, lieferte aber extrem viele Spiele ab, denen jeder Unterhaltungswert fehlte. Das war selbst für hartgesottene Fans manchmal kaum noch zu ertragen. Der Zuschauereinbruch in dieser Saison war kein Zufall.
Pal Dardai hat sich in den letzten Wochen angreifbar gemacht. Wer wird schon durch Niederlagen gestärkt?

Teilweise wirkte Dardai nicht mehr ganz so charmant und spitzbübisch, wie man ihn kennt. Die Niederlagenserie hat sicherlich auch ihn unter Stress gesetzt. Gegenüber Journalisten soll er zunehmend unpassend aufgetreten sein. Das ist bedauerlich, aber wer in Gelsenkirchen den Knorrer von Kerkrade im Umgang mit Reportern erlebt hat, der sollte Dardais Verhalten mal relativieren.

Unterschiedliche Erwartungshaltungen – Zwischen Konstanz und Stagnation

Die Beurteilung der Lage ist nicht einheitlich. Weder bei den Fans, noch in den Medien. In der Regel gibt es 2 unterschiedliche Positionen: Eine Seite schätzt die Kontinuität unter Dardai und wertet es positiv, dass Hertha mit dem Abstieg nichts zu tun hat. Die andere Seite sieht höhere Ansprüche für Hertha BSC, empfindet Mittelmaß als Schimpfwort und sieht die Zeit unter Dardai (inzwischen) als Zeichen einer vom Verein akzeptierten Stagnation. Unter Fans scheint mir eine Mehrheit auf der Seite zu stehen, die Dardai gerne noch behalten hätten.

Die Geschäftsführung von Hertha BSC glaubt anscheinend nicht, dass Dardai eine Besserung gelingt. Womöglich ist man im Verein der Meinung , dass Dardai auch höheren Ansprüchen nicht mehr genügt.

Michael Preetz unter Druck

Aber Michael Preetz geht hohes Risiko. Bei welchem neuen Trainer haben wir denn die Garantie, dass es besser wird? Überhaupt, ich kann nicht erkennen, dass Hertha zwingenden Handlungsbedarf hatte. Ich finde sogar, dass der Verein überreagiert hat. Ich fühle mich an den typischen Aktionismus von Vereinen erinnert, wenn es mal nicht läuft, an dessen Ende fast immer die Trennung vom Trainer stand. Ich dachte eigentlich, dass Hertha da aus der eigenen Vergangenheit und den Erfahrungen anderer Vereine mehr gelernt hätte. Der SC Freiburg zeigt, dass es anders gehen kann. Und Michael Preetz sollte nicht vergessen, dass er den Club mit seinen Entscheidungen schon wiederholt in die 2.Liga geführt hat. Er durfte trotzdem bleiben und es danach besser machen.

Für mich fühlt es sich so an, als wenn Dardais erste richtige Schwächephase bei Hertha sofort dazu führte, dass er seinen Posten als Trainer der Profis verliert. War das wirklich notwendig? Hätte man nicht darauf setzen können, dass man ihn besser unterstützt? Ein Mentaltrainer und ein neuer Co-Trainer (der ohnehin kommen muss) hätten hier helfen können. Hätte Pal Dardai diesen Versuch nicht verdient gehabt?

Dabei gibt die Geschäftsführung von Hertha BSC aktuell kein gutes Bild ab, wenn man an die Stadionplanung denkt. Vor diesem Hintergrund werden die Fans die Trainerentscheidung sehr kritisch im Auge behalten. Geht es schief, kann es für Michael Preetz ganz schwierig werden.

Heimspiel gegen Hannover – Wie reagieren die Fans?

Und nun? Die Entscheidung ist getroffen, Dardai hört als Profi-Trainer auf, aber die Saison ist noch nicht vorbei. Am Sonntag geht es in Berlin gegen Hannover. Ich hoffe und ich glaube, dass die Fans genug Gespür für die Situation haben und Pal Dardai feiern werden und dies ganz losgelöst vom Ergebnis des Spiels.

Dardai ist Herthaner mit Haut und Haaren. Urgestein. Er hat unseren Dank und unseren Beifall verdient.

Pal Dardai ist der Hanne Sobek der Neuzeit.

Danke, Pal!

Umfrage zu Pal Dardai (letzter Stand): h

Erleichterung nach dem Sieg in Nürnberg

Unter dem Strich ein verdienter Sieg von Hertha BSC beim 1.FC Nürnberg. Nach einer merklichen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit macht Hertha 3 Auswärtspunkte klar. Duda, Maier und Ibisevic wissen zu gefallen. 

In der 1. Halbzeit geht Hertha mit der ersten Chance in Führung, Ibisevic und Selke spielen die Abwehr mit einem einfachen Doppelpass aus. Bemühte Nürnberger vorne zu ungenau und vorne fehlt den Franken ein guter Stürmer. Der Ausgleich ist verdient, in der Entstehung aber auch glücklich. Der oft gescholtene Lustenberger mit einer stabilen Leistung, in der ersten Halbzeit gibt es insgesamt aber einige Situationen, in denen die gesamte Abwehr ordentlich schwimmt.

Grujic merkt man die lange Verletzungspause an, er ist noch nicht der Alte (war so schnell aber auch nicht zu erwarten). Ibisevic mit einem Sahnetag, alle Tore sind eigentlich schön herausgespielt. Nach dem 1:2 hat Hertha die Sache im Griff, dies war vorher nur phasenweise der Fall. Jarstein hält, was zu halten war. Eine fehlerfreie Leistung.  

Dardai geht hohes Risiko und nimmt Rekik und Grujic in die Startelf. Das ist ungewöhnlich, beide Spieler waren lange verletzt und noch nicht so lange im Training, Pal Dardai ist da sonst vorsichtiger. Gut, dass nichts passiert ist.  Insgesamt einer eher mittelmäßiges Spiel beider Teams. Nürnberg kämpft notgedrungen weiter tapfer gegen den Abstieg, Hertha freut sich zum Start der Rückrunde über 3 Punkte für Moral, Fans und Verein. Am Freitag geht es dann gegen Gelsenkirchen.

Das schwächeln der alten Garde

Die Niederlage in Stuttgart schmerzt.

Erneut liefert das Team von Hertha BSC kein zufriedenstellendes Spielergebnis ab. Und das gegen eine Mannschaft aus dem Tabellenkeller. Man kann nicht mal behaupten, dass die Hertha insgesamt ein schlechtes Spiel machte, dennoch war ein deutlicher Leistungsabfall zu bemerken, wie es die Berliner Zeitung zutreffend beschrieb. Erstaunlich, denn mit Eintracht Frankfurt hatte man zu Hause – gegen einen deutlich besseren Gegner – noch einen Sieg herausspielen können.

Die spielerisch limitierten Stuttgarter gewannen am Ende verdient, weil sie diesen Sieg unbedingt wollten. Dieser Einsatz und diese Körpersprache fehlte mir bei der Hertha, als es in der Schlussphase darauf ankam. Das mag nicht für alle Spieler gelten, lobend erwähne ich gerne den stets emsigen Selke, aber es dürfen sich doch einige Mittelfeldakteure angesprochen fühlen.

Ergo das übliche Phlegma gegen die Teams von unten? Ein Sieg des Kopfes über die Beine?

Nun, verletzungsbedingt waren im Team wieder einige Spieler der alten Garde vertreten, die auch spielerisch einen Rückgriff auf alte Zeiten bewirkten. Schelle und Darida in Kombination mit Lustenberger bewirkten, dass das Spiel der Hertha wieder an die letzte Saison erinnerte. Statt schnell durch die Mitte zu spielen, wanderte der Ball sehr oft wieder zurück zu Jarstein, der den Ball dann nach vorne semmelte. Das war gefühlt ein Rückschritt, denn Maier und Grujic machten das deutlich besser.

Mit Pekarik ist im Kader ein weiterer (verdienter) Spieler, der es kaum noch in den Kader schafft. Ein Teil der alten Garde macht Platz für den Nachwuchs.

Für Ibisevic und Kalou mag das noch nicht zutreffen, ihre Nachfolger Selke und Mittelstädt machten jedenfalls eine ordentliche Partie. Trotz der Situation vor dem 2:1, als Maxi beim Ballverlust beteiligt war.

Bei Lustenberger, Schelle und Darida wird es schwer diese Saison. Lusti sah beim 1:0 nicht gut aus, Schelle läuft beim 2:1 von Gomez weg, Darida kommt schon lange nicht mehr an seinen alten Leistungsstand heran.

Einen eher bescheidenen Tag erwischte m.E. auch Leckie. Zu häufig verschleppte er bei Kontern das Spiel, statt schnell zum freien Nebenmann zu passen. Da hätte Hertha deutlich besser kontern können.

Auch wenn der Hinweis auf eine gewisse Berliner Überheblichkeit berechtigt ist, Gomez vielleicht einen guten Tag hatte (hiermit anerkannt!) und die Bundesliga eben auch ausgeglichen erscheinen mag (Gruß an Andreas L. in B.):

Hertha war mal wieder der gefühlte Aufbaugegner und wehrte sich nicht ausreichend gegen eine vermeidbare Niederlage. Man lässt die „Big Points“ liegen, wie in der Vorsaison mit der alten Garde. Schade.

Erleichterung über 3 Punkte in Hannover

Hertha BSC gewinnt gegen Hannover 96 mit 0:2 und nimmt 3 wichtige Punkte nach Berlin mit.Und ich bin einfach nur erleichtert.

Nach den Niederlagen gegen Düsseldorf und Leipzig war der erkämpfte Punkt gegen Hoffenheim zwar ehrenwert, aber insbesondere die Abwehr konnte in diesen Spielen nicht überzeugen.

Dardai reagierte also, Selke und Torunarigha kamen für Duda und Luckassen. Eine durchaus mutige Entscheidung, wenn man bedenkt, dass Torunarigha gegen Düsseldorf wirklich ein schlechtes Spiel machte und nach seiner Verletzungspause insgesamt auch noch nicht richtig überzeugen konnte. Mit 2 Stürmern gegen Hannover anzutreten ist jedenfalls mal ein Zeichen, hätte ich mir so schon gegen Düsseldorf gewünscht. Und der Spielerwechsel in der Startformation ging richtig gut auf.

Torunarigha setzt ein Zeichen

Jordan Torunarigha köpfte nicht nur zum 0:1 ein, er bereitete das 0:2 durch Ibisevic auch mit einer mustergültigen Flanke vor. In der Abwehr machte er eine ordentliche Partie, immerhin war das für die Hertha mal wieder ein Spiel ohne Gegentor. Das Duo Lustenberger / Luckassen wirkte zuletzt noch deutlich unsicherer. Mit der bisher gezeigten Leistung hat Derrick Luckassen in der Startelf jedenfalls nichts zu suchen. Wie man (im positiven Sinne) für sich ein Zeichen setzen kann, hat Jordan jedenfalls mustergültig gezeigt.

Zähe erste Halbzeit

Bei aller Freude über den Sieg soll nicht verschwiegen werden, dass es eine zähe erste Halbzeit war (kein Vergleich zum Gladbach-Spiel) und Hertha danach viele Konterchancen leichtfertig vergab. Das Spiel war mitunter von Fehlpässen beider Mannschaften geprägt. Aber ich will nicht mosern, der Sieg war für Fans und Stimmung enorm wichtig.

Mannschaft der Stunde aus Frankfurt

Nächsten Samstag kommt Eintracht Frankfurt in das Berliner Olympiastadion. Die Hessen kommen mit viel Selbstvertrauen nach Berlin, für mich sind sie die Mannschaft der Stunde. Der Sieg gegen Marseille setzte jedenfalls mal wieder ein echtes Ausrufezeichen. Haller und Jovic haben zusammen 22  Tore erzielt und stehen auf den Plätzen zwei und drei der Torjägerliste. Die Partie wird für die Berliner Abwehr eine Reifeprüfung werden, wenn man den Anschluss an das obere Tabellendrittel halten möchte.

Ich erwarte eine schwierige Partie für die Hertha und ein unterhaltsames Spiel mit vielen Toren. Ein Spiel bei dem ich gerne Rekik im Team hätte, damit ich mich wohler fühle, aber das geht halt nicht. Oder bin ich nur zu ängstlich? Ich bleibe dabei, wird eine richtig schwere Partie gegen die Riederwälder.

Herthas Phlegma gegen scheinbar kleine Vereine

Die Niederlage gegen Düsseldorf war in mehrfacher Hinsicht schmerzhaft. Die Düsseldorfer haben in den ersten 10 Spielen der aktuellen Bundesligasaison kein gutes Bild abgegeben und stehen nicht ohne Grund auf einem Abstiegsplatz. Als Herthafan reiste man also mit breiter Brust an den Rhein. Die drei Punkte schienen fast eine sichere Beute für die Hauptstadt zu sein. Und nach dem Relegationsspiel 2012 ist der Club aus Düsseldorf in Berlin nicht besonders beliebt, da freut man sich über einen Sieg um so mehr.

Doch leider überkam Hertha BSC mal wieder das Phlegma der Vorsaison. Gegen die großen Clubs spielt man engagiert und oft auch überraschend erfolgreich, gegen die scheinbar kleinen Clubs wirkt das Team oftmals wie ausgewechselt. Als Fan steht man diesem Phänomen ziemlich ratlos gegenüber.

Gegen Gladbach (Tabellenzweiter) gab es einen herausragenden 4:2 Heimsieg. Gegen die Bayern fuhr die Hertha erstmals seit 2009 einen Heimsieg ein und gewann 2:0. Dabei überzeugte die Berliner Hertha nicht nur spielerisch, auch der Einsatz gegen die Bayern war wirklich vorbildlich. Selbst aus dem Rückstand in Dortmund konnte man noch ein 2:2 machen.

Und das gleiche Team verliert dann gegen Düsseldorf 4:1, kann gegen Freiburg nicht gewinnen und spielt 0:0 in Mainz. Schwer zu verstehen und ärgerlich. Insbesondere dann, wenn der Einsatz nicht zu stimmen scheint.

Ich habe schon wiederholt bei einigen Foren gelesen, dass Hertha mit Rückständen oder Gegentoren nicht umgehen kann. Diesen Eindruck teile ich nicht, denn schon gegen Wolfsburg und Dortmund hat man trotz Rückstands nicht verloren. Und auch gegen Gladbach störte der zwischenzeitliche Führungstreffer der Gladbacher nicht. Das reicht für mich als Ursache also nicht.

Man mag in einzelnen Spielen taktische Details finden können, die dem Team nicht halfen, aber auch das würde das unmotivierte Auftreten der Mannschaft nicht ausreichend begründen.

Gegen Düsseldorf waren dann tatsächlich mit Torunarigha und Luckassen 2 Spieler ziemlich indisponiert. Aber auch dies erklärt die merkwürdige Hertha-Serie nicht wirklich.

Für mich haben zu viele Herthaspieler offenbar ein Einstellungsproblem, wenn es nicht gegen die großen Clubs und Namen geht. Kopfsache, um es auf den Punkt zu kriegen. Oder wie es Uwe Bremer von der Berliner Morgenpost titelte: Hertha braucht wieder mehr Gier.

Und da sehe ich Trainer, Trainerstab und Mannschaft in der Pflicht, dass man genau hier ansetzt. Eine gangbare Maßnahme wäre m.E., dass Dardai im nächsten Spiel auf Darida verzichtet und den emsigen Schelle wieder mal in die Startelf bringt. Kämpferherz hat der Junge. Auch Selke hat gezeigt, dass man gegen Düsseldorf extrem motiviert spielen kann. Er gehörte zu den wenigen Spielern, denen man die Motivation förmlich ansehen konnte. Dardai hat da m.E. ordentlich was zu tun in den nächsten 2 Wochen.

Im Gegensatz zu so manch anderem Kommentar bin ich übrigens keinesfalls der Meinung, dass die letzten Spiele den Trainer in Frage stellen. Verärgert bin ich auch, aber ich bin auch froh, dass so ein Vollblut-Herthaner bei uns Trainer ist. Hertha hat den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte gehabt und nach 3 Wochen ist plötzlich alles schlecht? Man steht auf Platz 8 der Tabelle, soll das ein Problem sein? Das kann es doch wirklich nicht sein. In Hamburg haben sie bei jeder Gelegenheit den Trainer entlassen und man sieht ja, wo die jetzt stehen. Gegen Hoffenheim will ich jetzt aber auch mal wieder ein besserer Spiel sehen. Naja, wünscht sich im Moment  wohl jeder Herthafan.